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Das Märchen vom „offiziellen KI-Zertifikat“: Was Schulungsanbieter wirklich verkaufen

„Pflichtschulung nach EU AI Act – mit offiziellem Zertifikat!“ Solche Angebote begegnen dir gerade überall. Doch ein vorgeschriebenes KI-Zertifikat gibt es nicht. Wir zeigen dir, was das Gesetz wirklich verlangt, was ein Zertifikat aussagt – und worauf du bei der Wahl einer KI-Schulung achten solltest.

Worum geht es?

Seit die europäische KI-Verordnung (EU AI Act) Schritt für Schritt gilt, boomt der Markt für KI-Schulungen. Viele Angebote werben mit Begriffen wie „Pflichtschulung“, „AI-Act-konform“ oder „offizielles KI-Zertifikat“. Das klingt, als bräuchten du oder deine Mitarbeitenden einen bestimmten Schein, um KI im Job nutzen zu dürfen.

Die gute Nachricht: Das stimmt so nicht. Die schlechte: Wer das nicht weiß, zahlt schnell für ein Papier, das rechtlich nichts bringt.

Was das Gesetz wirklich verlangt

Grundlage ist Artikel 4 der KI-Verordnung, die sogenannte KI-Kompetenz (englisch „AI Literacy“). Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, sollen dafür sorgen, dass ihre Beschäftigten ausreichend mit KI umgehen können – passend zu ihren Aufgaben und den eingesetzten Tools.

Was Artikel 4 nicht verlangt:

  • Kein Zertifikat: Die EU-Kommission schreibt in ihren offiziellen Fragen und Antworten zur KI-Kompetenz ausdrücklich, dass kein Zertifikat nötig ist. Ein interner Nachweis über Schulungen und andere Maßnahmen reicht aus.

  • Keine Prüfung: Laut Kommission müssen Unternehmen das KI-Wissen ihrer Mitarbeitenden nicht messen oder testen.

  • Kein bestimmtes Format: Auch die Bundesnetzagentur betont, dass die Verordnung keine Zertifizierung vorschreibt. Schulungen können intern oder extern stattfinden – als Kurs, Workshop, E-Learning oder Leitfaden.

Seit dem Digital Omnibus, der am 27. Juli 2026 in Kraft getreten ist, wurde die Pflicht zudem abgeschwächt: Es geht nun darum, KI-Kompetenz zu fördern – ein festgelegtes Kompetenzniveau muss nicht mehr sichergestellt werden.

Was ein Zertifikat wirklich aussagt

Ein „Zertifikat“ ist zunächst nur eine Bescheinigung des jeweiligen Anbieters. Der Begriff ist nicht geschützt – jede Akademie, jede Agentur und jeder Online-Kurs darf eines ausstellen. Wie viel es wert ist, hängt davon ab, wer dahintersteht und was geprüft wurde.

Es gibt durchaus aussagekräftige Nachweise, sie bedeuten aber Unterschiedliches:

  • Teilnahmebescheinigung: bestätigt, dass jemand an einer Schulung teilgenommen hat – nicht mehr.

  • Zertifikatslehrgang (z. B. von Kammern oder Hochschulen): dokumentiert einen strukturierten Lehrgang mit Abschlussprüfung, ist aber in der Regel kein staatlich anerkannter Berufsabschluss.

  • Personenzertifizierung nach ISO/IEC 17024: eine Prüfung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle nach festen Regeln, meist mit begrenzter Gültigkeit und Rezertifizierung.

  • AZAV-Zulassung: Sie betrifft den Bildungsträger und regelt, ob ein Kurs zum Beispiel mit einem Bildungsgutschein gefördert werden kann. Über ein „offizielles KI-Zertifikat“ sagt sie nichts aus.

Keiner dieser Nachweise ist für den Einsatz von KI im Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben. Sie können für Bewerbungen oder die eigene Weiterbildung sinnvoll sein – eine Pflicht, die du damit „erfüllst“, gibt es aber nicht.

Woran du unseriöse Versprechen erkennst

  • „Offizielles“ oder „staatlich anerkanntes KI-Zertifikat“ – ohne Angabe, welche Stelle es anerkennt.

  • „Pflichtschulung mit Zertifikat“ – die Pflicht betrifft die Kompetenz, nicht ein bestimmtes Papier.

  • Druck mit Bußgeldern – etwa „ohne Zertifikat drohen Millionenstrafen“. Gemeint sind meist die hohen Bußgelder für verbotene KI-Praktiken, die mit einer Schulung nichts zu tun haben.

  • Ein Kurs für alle – die Kommission betont, dass KI-Kompetenz zur Rolle und zu den eingesetzten Tools passen soll. Eine pauschale Einheitsschulung reicht dafür oft nicht.

Das kannst du jetzt tun

  • Bedarf klären: Welche KI-Tools nutzt ihr, wer arbeitet damit und wofür?

  • Passend schulen: Achte bei Angeboten auf Inhalte, Praxisanteil und Aktualität – nicht auf das Etikett „Zertifikat“.

  • Dokumentieren: Halte fest, wer wann zu welchen Themen geschult wurde. Das ist laut Kommission und Bundesnetzagentur der Nachweis, auf den es ankommt.

  • Kostenlose Angebote nutzen: Die Bundesnetzagentur bietet auf ihrer Website Informationen und Hinweise zur KI-Kompetenz.

  • Dranbleiben: KI-Tools ändern sich schnell. Kurze, regelmäßige Auffrischungen bringen mehr als ein einmaliger Kurs.

Und bei Ewando?

Bei Ewando steht das Wissen im Mittelpunkt, nicht das Papier: Lerneinheiten mit Übungen im echten KI-Tool, Praxisaufgaben und Wissenschecks – vom Einstieg in KI Starter bis zu Automatisierung und KI-Strategie in KI Expert.

Hast du einen Kurs abgeschlossen, kannst du eine Teilnahmebescheinigung herunterladen – bewusst kein „Zertifikat“. Sie nennt Umfang und Inhalte des Kurses und eignet sich damit genau für das, was die KI-Verordnung verlangt: die nachvollziehbare Dokumentation deiner KI-Kompetenz, zum Beispiel für deinen Arbeitgeber.

Quellen

Stand: Oktober 2026. Ohne Gewähr.

Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Für deinen konkreten Fall wende dich an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.

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